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Jahresversammlung 2017 - Jahresbericht 2016 des Präsidenten

Sehr geehrte Damen und Herren, wir begehen dieses Jahr Jubiläen:

Vor hundertzwanzig Jahren fand in Basel der erste Zionistenkongress statt, vor hundert Jahren versprach der britische Aussenminister den Juden eine nationale Heimstätte, vor achtzig Jahren wurde der erste Teilungsbeschluss für Palästina diskutiert, vor siebzig Jahren entschied die UNO die Gründung eines jüdischen Staates, vor fünfzig Jahren vereinigte der Sechstagekrieg Jerusalem und weitere Gebiete unter israelischer Kontrolle, vor vierzig Jahren kam mit Menachem Begin erstmals ein Politiker aus dem rechten Lager an die Macht. Vor dreissig Jahren schliesslich haben die Palästinenser in den besetzten Gebieten erstmals kollektiv aufbegehrt. In der Intifada revoltierten sie gegen die Besatzung und für einen eigenen Staat.

Doch gehen wir nochmals zurück zu vor hundert Jahren: Im November 1917 verfasste der damalige britische Aussenminister, Lord Arthur Balfour, einen Brief an Lord Rothschild, der für die Öffentlichkeit bestimmt war und der vielen als Gründungsdokument des späteren Staates Israel gilt. Darin hiess es:

‚Die Regierung seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern infrage stellen könnte’. - .

Wir feiern also eine ganze Menge wichtiger Jubiläen – doch haben wir wirklich Grund zum Feiern?

Wir sässen nicht hier, um über Neve Shalom Wahat al-Salam und die Aktivitäten derer Schweizer Freunde zu berichten, Sie wissen es.

Ein kleines Jubiläum übrigens auch hier: vor 45 Jahren, 1972 wurde die Dorfkooperative Neve Shalom Wahat al-Salam von Bruno Hussar gegründet. Bis heute teilen sich Juden und Palästinenser, Jüdinnen und Palästinenserinnen Land, Macht, Verantwortung, Schule und Alltag in gegenseitigem Respekt.

Ende 2016 lebten in Neve Shalom Wahat al-Salam

  • 60 Familien, davon fünf Familien aus der zweiten Generation
  • 88 Kinder der zweiten Generation über 18 Jahre
  • 34 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre
  • 20 junge Familien der zweiten Generation
  • 22 Kinder von Familien der zweiten Generation

34 Häuser sind im Bau, davon die Hälfte für Familien der zweiten Generation. 15 weitere Häuser sollen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Die Gemeinde wächst also, Kinder der ersten Generation werden sich mit Neuzuzügern vermischen, es wird neue Impulse geben.

Auch die Primarschule entwickelt sich: Zum zweiten Mal nacheinander hatten wir zwei grosse erste Klassen. 228 Kinder aus 19 Gemeinden besuchen inzwischen die bi-nationale, bi-kulturelle und bilinguale Schule. Es gibt ganz offensichtlich doch vermehrt Eltern, die ihre Kinder nicht mehr ungebremst einer einseitigen Erziehung und Ausbildung ausliefern wollen. Das soll uns Mut machen.

Dank der staatlichen Anerkennung erhält die Schule auch mehr staatliche Zuschüsse. Diese reichen allerdings nicht aus, um den grossen Mehrauf-wand an zusätzlichen Lehrkräften und Infrastrukturen abzudecken.

Die Friedensschule hatte im vergangenen Jahr Erfolg mit Projekten für Fachleute verschiedenster Ausrichtungen: Stadtplaner, Politiker, Lehrer, Umweltaktivisten sowie Psychologen und Psychiater jüdischer und

palästinensischer Herkunft besuchten Kurse an der Friedensschule. Sie sitzen an Schaltstellen und sind in regem Kontakt mit Menschen verschiedenster Herkunft. Ihnen obliegt es, Brücken zu bauen.

Viele der Kursteilnehmer wirken in Orten, wo Palästinenser und Juden leben, in sogenannten Mixed- oder Shared Cities. Sie werden im Anschluss dazu noch mehr erfahren. Sie wissen, wir haben wir exakt diesen Kursen unser Jahresziel gewidmet. Es sind über 30'000 Franken zusammengekommen. Eine schöne Summe. Dafür danken wir Ihnen.

Die Schweizer Freundinnen und Freunde von Neve Shalom Wahat al-Salam dürfen sich über die Sympathie und Beiträge von etwa 2500 Personen und Institutionen freuen. Dazu zählen die vielen Einzelperso-nen, die das Fundament unseres Vereines bilden. Dank der regelmäs-sigen kleineren und grösseren Spenden erreichen wir jedes Jahr ein solides Spendenaufkommen. Erfreulicherweise stossen immer wieder neue, jüngere Freunde und Mitglieder zu uns. Diese sind wichtig, befindet sich doch auch die erste Generation der Schweizer Mitglieder inzwischen im Pensionsalter!

Wir freuen uns auch über die grosse Anerkennung, die wir in vielen reformierten und katholischen Kirchgemeinden geniessen. Immer wieder erhalten wir von dort Kollekten und grössere Spenden. Auch auf die Unterstützung von Stiftungen dürfen wir regelmässig zählen. Dafür sind wir auch sehr dankbar. 

Im Berichtsjahr erhielten wir Fr. 250'674.35 an Mitgliederbeiträgen und Spenden, dies sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Dies ist erstaunlich, haben wir inzwischen in dieser Welt so viele Krisenherde, die alle nach Spendengeldern verlangen, denken Sie nur an Syrien! Wir konnten

Fr. 250'000 ans Friedensdorf in Israel überweisen. Diese Gelder waren alle zweckbestimmt und wir haben dafür auch die entsprechenden Bestätigungen erhalten: Es gingen an

           Die Primarschule             Fr. 110’000

           Die Friedensschule        Fr.   70’000

           Das Nadi                           Fr.   15’000

           Das Spiritual Center        Fr.     5’000

           Einen Schulbus                Fr.   50’000

           Total                                 Fr.  250’000

Dieses Jahr, also 2017 werden wir wieder mindestens Fr. 250'000 überweisen können. Wir haben vereinbart, dass wir jedes Quartal Fr. 50'000 für die Primarschule und die Friedensschule überweisen. Das gibt den Verantwortlichen für die pädagogischen Institutionen etwas Planungssicherheit. Fr. 10'000 haben wir vor ein paar Tagen für die am 10. Juni dieses Jahres im Dorf stattfindende Friedenskonferenz zum 50. Jahrestag der Besatzung Westjordaniens überwiesen.

Aber wir Schweizer Freundinnen und Freunde möchten nicht nur Bittsteller und Geldüberweiser sein. Wir möchten Ihnen, geschätzte Freundinnen und Freunde, Mitglieder und Gönner, auch etwas bieten. Deshalb bieten wir regelmässig Vorträge von Dorfbewohnern und Aktivisten an, organisieren Konzerte, führen Reisen nach Israel durch und haben eine Lithographie und Kunstkarten des bekannten Schweizer Künstlers Samuel Buri angeboten, die dieser eigens für uns geschaffen hat.

Gerade sind wir wieder zurück von unserer letzten Israelreise. Insgesamt fünfzehn Teilnehmer besuchten Neve Shalom Wahat al-Salam, verschiedene zerstörte Dörfer, demolierte Beduinenhäuser im Negev, Ostjerusalem, Siedlungen, Flüchtlingslager und Öko-Projekte in Bethlehem und mehr. Wir haben dabei aber auch im Toten Meer gebadet, die Altstadt von Jerusalem besucht, den Markt von Tel Aviv unsicher gemacht und dort auch die schönen Bauhaus Liegenschaften bewundert. In Bethlehem wollten wir die Geburtskirche Jesu besuchen, doch der Einsatz von Tränengas bei Demonstrationen liess dies nicht zu. Auch dies war eine bleibende Erfahrung für alle Reiseteilnehmer. So konnten wir uns ein Bild über die verschiedensten Facetten dieses doch so schönen Landes machen.

Wir werden auch nächstes Jahr wieder eine derartige Reise durchführen. Kommen Sie mit!

Wir haben uns weiter zum Ziel gesetzt, die Friedensarbeit, die in Neve Shalom Wahat al-Salam geleistet wird, unseren pädagogischen Hochschulen vorzustellen.

Die Idee ist, dort Bestandteil der Ausbildung zu werden. Wir konnten letztes Jahr ein erstes Mal in Zürich zwei Lektionen gestalten.

In der ersten Novemberwoche 2017 wird Evi Guggenheim wieder in der Schweiz weilen. Sie wird Ihnen für Vorträge zur Verfügung stehen. Bitte melden Sie sich bei Interesse bei der Geschäftsstelle.

Im vierten Quartal dieses Jahres findet wieder ein AGM – ein Annual General Meeting - im Dorf selber statt. Teilnehmer werden aus vielen europäischen Ländern und den USA erwartet. Es geht darum, die Zusammenarbeit zwischen Israel und den Freundesorganisationen zu optimieren und neues über die Entwicklung der Arbeit dort zu erfahren. Ich darf Ihnen übrigens gerne mitteilen, dass die Schweizer Freundinnen und Freunde zu den wichtigsten Spendenorganisationen der pädagogi-schen Einrichtungen des Dorfes zählen.

Sie wissen, es war immer unser Ziel, ‚die andere Seite’ – also die palästinensisch/arabische – in unserem Vorstand zu wissen. Heute dürfen wir Ihnen eine Dame mit solchem Hintergrund zur Wahl empfehlen. Mehr erfahren Sie darüber unter dem Traktandum ‚Wahlen’.

Über die Aktivitäten der Frieden stiftenden Institutionen von Neve Shalom Wahat al-Salam gäbe es noch sehr viel zu berichten, zum Beispiel von den Projekten der Friedensschulen oder von der Zusammenarbeit der Primarschule mit anderen Institutionen. Senden Sie mir einfach eine Email und ich stelle Ihnen gerne weitere Berichte elektronisch zu.

Der Kampf um Anerkennung und Gerechtigkeit für alle Menschen, die in Israel und in den besetzten Gebieten leben, geht weiter. Dieser Kampf führt über den Dialog, und dieser muss in den Schulen gelehrt werden. Wenn Kinder verschiedener Kulturen und Religionen ganz normal miteinander aufwachsen, kennen sie weniger Berührungsängste. Das Miteinander wird ‚normal’. Daran arbeiten die Institutionen in Neve Shalom Wahat a-Salam jeden Tag. Dafür arbeiten wir hier. Dafür spenden Sie. Ich danke Ihnen!

Gabriel Oser            Forum des Orients, Zürich, 21. Mai 2017   

Jahresbericht 2016 als PDF
Jahresrechnung 2016 als PDF
   

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